66 % der Menschen in Deutschland fühlen sich häufig oder manchmal gestresst. Das ist das Ergebnis des TK-Stressreports 2025. Im Jahr 2013 lag dieser Wert noch bei 57 %. Innerhalb von gut zehn Jahren ist der Anteil also deutlich gestiegen.
Der Stress kommt nicht nur aus dem Job
Eine Zahl aus dem Report finde ich besonders aufschlussreich. Über die Hälfte der Gestressten nennt politische und gesellschaftliche Probleme als Belastung. Kriege, Krisen, Preise, Debatten. Das alles erreicht uns heute ungefiltert, auf dem Handy, rund um die Uhr.
Das heißt: Selbst wer einen guten Job und ein stabiles Umfeld hat, ist nicht automatisch entspannt. Ein Teil der Anspannung kommt von außen und lässt sich mit den eigenen „Bordmitteln“ bisher nicht einfach wegorganisieren.
Was Stress im Körper macht
Um das zu verstehen, hilft ein Blick auf das Grundprogramm. Stress ist ein uraltes Überlebensprogramm. Das Gehirn schlägt Alarm, das sympathische Nervensystem springt an, wie ein Gaspedal. Adrenalin und Cortisol lassen das Herz schneller schlagen, die Atmung wird flach, die Muskeln spannen sich an. Das ist sinnvoll, wenn man vor einer echten Gefahr steht, z.B. dem hungrigen Säbelzahltiger. 🙂
Der Körper hat aber auch eine Bremse, das parasympathische Nervensystem. Nach einer Stressreaktion fährt es uns wieder herunter. Akuter Stress mit anschließender Erholung ist gesund. Problematisch wird es, wenn die Bremse kaum noch zum Einsatz kommt, weil der Mensch denkt, der Tiger sei immernoch hinter ihm her.
Das Problem ist das fehlende Zurückschalten
Und genau das passiert vielen. Das Gaspedal bleibt halb gedrückt, den ganzen Tag. Erst die Arbeit, dann die Nachrichten, dann die Sorgen am Abend. Das eigentliche Problem ist das fehlende Zurückschalten.
Die Folgen kennen viele: schlechter Schlaf, verkrampfter Nacken und Schultern, Gereiztheit, das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen. Die Pronova BKK hat 2025 gefragt, wie Beschäftigte ihr eigenes Burnout-Risiko einschätzen. 61 % sehen es als mäßig oder hoch.
Die TK betont zwar, dass ein Zusammenhang zwischen Stress und einzelnen Beschwerden in ihren Daten nicht als Ursache nachgewiesen ist. Die Richtung der Entwicklung ist trotzdem deutlich.
Was man heute schon tun kann
Einfache schnelle Übungen lassen sich schnell und überall einbauen, am Schreibtisch genauso wie in der Bahn. Da reichen oft schon einpaar tiefe Atemzüge in den Bauch als Maßnahme zwischendurch.
Die Wirkung ist schnell spürbar. Das verlängerte Ausatmen aktiviert die Bremse im Nervensystem. Der Puls wird ruhiger, die Muskeln lockern sich, die Gedanken bekommen einen anderen Fokus. Zwei Minuten bewusstes Atmen, mehrmals am Tag, sind ein guter Anfang, um das Gaspedal zwischendurch loszulassen.
Drei Türen zur Bremse
Die gute Nachricht ist: An die Bremse kommen wir aktiv heran. Es gibt drei Türen, und alle drei kann man lernen und trainieren.
- Bewusstsein und Achtsamkeit für das eigene System schaffen
- Kurze Interventionen, damit der Stress nicht akkummuliert
- Ganzheitliche Methoden lernen als Mittel zur Prävention, Selbstfürsorge und Selbstführung.
Methoden wie Qigong, Yoga und Pranic Healing sowie Energiekompetenz verbinden alle drei Türen mit etwas unterschiedlichem Fokus. Alle funktionieren bei Stress. Und es ist etwas, das man in wenigen Tagen lernen und danach jeden Tag ein paar Minuten praktizieren kann.
Den gesellschaftlichen Druck können wir als Einzelne kaum ändern. Unseren Umgang damit schon.
Im nächsten Beitrag geht es um den Energiesparmodus: Warum sich so wenige Beschäftigte wirklich an ihren Arbeitgeber gebunden fühlen.
Bildungsurlaub: Dein Recht auf Weiterbildung
In fast allen Bundesländern hast du einen gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub, meist fünf Arbeitstage im Jahr oder zehn Tage in zwei Jahren, bei voller Bezahlung.
Der Antrag ist einfacher, als viele denken. Reiche ihn möglichst zeitnah bei deinem Arbeitgeber ein, damit du dir noch einen Platz in den oft begrenzten Kursen sicherst. Spätestens sechs Wochen vor Seminarbeginn sollte er vorliegen, in einigen Bundesländern auch etwas früher. Das offizielle Seminarprogramm für deinen Antrag bekommst du auf Anfrage beim Anbieter.
Ablehnen darf der Arbeitgeber nur aus bestimmten Gründen, etwa wenn dringende betriebliche Belange dagegen sprechen. Und eigentlich liegt der Bildungsurlaub in seinem eigenen Interesse: Wer lernt, mit Stress umzugehen, bleibt gesünder, konzentrierter und leistungsfähiger.
→ Fristen und Regeln in deinem Bundesland
Quellen: TK-Stressreport 2025, Techniker Krankenkasse · Pronova BKK 2025, zit. nach Statista